Interview - Die Philosophie der Praxis

Andreas Guggisberg führt nunmehr seit 20 Jahren eine Praxis für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Zusatzausbildung TCM.

  • Doktor Guggisberg, warum eigentlich Gynäkologie und Geburtshilfe? 

    Die Medizin ist ein unendlich faszinierendes Thema. Die Arbeit mit Menschen aller Altersgruppen, mit gesunden aber auch mit kranken Menschen macht mir jeden Tag sehr viel Freude. undefinedundefinedDie Gynäkologie und die Geburtshilfe vereinen theoretisches Wissen mit der manuellen Tätigkeit im Operationssaal. Zudem handelt es sich bei beiden Gebieten um Bereiche welche sehr fächerübergreifend praktiziert werden. Da sind zum Beispiel immer auch Aspekte der Chirurgie, der Endokrinologie, der Inneren Medizin, der Intensivmedizin, der Radiologie, der Nuklearmedizin und der Pädiatrie.

 

  • Und warum führen Sie eine eigene Praxis?

    Während der Ausbildung an den grossen und kleinen Spitälern wurde mir klar, dass ich mit dem vielen Papierkram, dem ganzen administrativem Aufwand, wie ihn grosse Kliniken fordern und mit der Fixierung auf Fallzahlen wenig anfangen konnte.

    Lieber wollte ich mich meinen Patienten, ihren Persönlichkeiten, ihrer Gesundheitsvorsorge und ihren krankheitsbedingten Problemen widmen. In der eigenen Praxis kann ich viel besser auf meine Patienten eingehen, ohne immer Kompromisse machen zu müssen.

 

  • Wie kam es zur Zusatzausbildung TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)?

    Bis vor ca. 10 Jahren war ich durch und durch gläubiger Schulmediziner. Jedoch fehlte mir in der westlichen Medizin immer der Ansatz der Ganzheitlichkeit. Die westliche Medizin teilt für mich den Menschen zu sehr in einzelne „Gebiete“ auf, sodass die ganze Persönlichkeit des Patienten wenig bis gar nicht berücksichtigt wird. Bei der TCM wird der Mensch als Ganzes gesehen, das schliesst für mich den Kreis.undefinedundefinedDie westliche Medizin ist eine gute Medizin und zeigt hervorragende Erfolge, die ich nicht missen und in keiner Art und Weise in Frage stellen will. Doch auch die TCM zeigt erstaunliche Resultate. Das Spannende und die tägliche Herausforderung sehe ich in der Kombination der Vorzüge beider Disziplinen.

 

  • Was ist Ihre Praxisphilosophie?

 

  • Die Gynäkologie ist ein hochspezialisiertes Teilgebiet, entsprechend ist die fachliche Kompetenz mit Ausbildung, Erfahrung und stetige Weiterbildung meine Basis für jede Behandlung.

 

  • Zeit für die Patienten zu haben, halte ich für einen - leider oft vernachlässigten - Schlüssel zur Problemlösung. Die Patientin muss sich ihre Zeit nehmen können, um ihre Anliegen vorzubringen. Und ich muss ohne Zeitdruck zuhören können, manchmal auch zwischen den Zeilen lesen, die Körpersprache miteinbeziehen und auch mal nachhaken können.

 

  • Die Praxis muss so eingerichtet sein, dass die täglichen Anforderungen qualitativ hochstehend und effizient erfüllt werden können. Die Technik gehört zur Frauenarztpraxis dazu, ohne modernes Labor, Ultraschall und hochspezialisierte Computerprogramme geht es nicht.

 

  • Die Bereitschaft festgefahrene Werte kritisch zu Hinterfragen und die Offenheit auch mal ganz neue Wege zu gehen (zum Beispiel durch die Kombination der Schulmedizin mit der Traditionellen Chinesischen Medizin) zeigen mir immer wieder erstaunliche Resultate.undefined

 

  • Bei der Gestaltung der Praxis und auch bei der Personalselektion stelle ich mir immer wieder die Frage: Wie möchte ich bedient werden, wenn ich meinen Arzt anrufe? Wie muss ein Sprechzimmer eingerichtet sein, damit ich mich wohl fühle? Klar sind hier meinen und den Wünschen der Patienten bauliche Grenzen gesetzt. Und trotzdem ist es mir wichtig, dass da eben keine schwarzen Möbel die Stimmung drücken, dass da kein Chromstahlregal frostiges Notaufnahmeflair versprüht. undefined

 

  • Genau so wichtig ist es aber auch, die eigenen Grenzen zu kennen, Probleme welche die Kompetenzen und die Kapazitäten der Praxis überschreiten, vertrauensvoll an kompetente Partnerinstitutionen weiterleiten zu können.

 

© by A. Guggisberg
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