Harninkontinenz, Blasenschwäche

Inkontinenz bedeutet die Unfähigkeit etwas zurück zu halten. Harninkontinenz bedeutete selten bis häufig (je nach Schweregrad) Urin zu verlieren, ohne Zeitpunkt und Ort selbst bestimmen zu können, also unfreiwillig.

Selten ist Werbung sinnvoll, aber dank der Werbung für Inkontinenzhilfsmittel (Einlagen etc.) weiss frau/man wenigstens, dass frau/man mit dem Problem nicht alleine ist, betrifft doch die Harninkontinenz in der Schweiz rund 400‘000 Menschen jeden Alters und Geschlechts. Und noch etwas versucht uns die Werbung zu vermitteln: Blasenschwäche ist nichts wofür man sich schämen müsste, sprecht darüber!

Für einmal hat die Werbung recht. Inkontinenz ist kein Schicksal, welches einfach erduldet werden muss. Es gibt Hilfe. Sie liebe Leserin, lieber Leser machen einen Anfang, Sie sind hier auf dieser Seite. Also lassen Sie uns darüber sprechen! Hier einige Fakten.

 

Formen der Harninkontinenz

  • Stress- oder Belastungsinkontinenz
  • Dranginkontinenz
  • Überlaufinkontinenz
  • Reflexinkontinenz
  • Reizblase

Stress- oder Belastungsinkontinenz

Als Stress- oder Belastunsinkontinenz wird unfreiwilliger Harnabgang bei körperlicher Belastung bezeichnet, sie ist die häufigste Form der Inkontinenz der Frau. Ist der Bauchinnendruck stärker als der Blasenschliessmuskel, kommt es zum Abgang von meist wenig Urin. Dies kann bei Husten, Niesen, Lachen, beim Heben von Lasten, beim Aufstehen oder Hinsetzen der Fall sein.

Die Ursache liegt hier in einer Muskel- oder Bindegewebeschwäche. Diese Schwäche kann angeboren oder erworben sein. Übergewicht, Hormonmangel, Schwangerschaft, Geburt oder der Östrogenmangel nach Eintritt der Menopause können die Stress- oder Belastungsinkontinenz begünstigen.

Dranginkontinenz

Sie ist die zweithäufigste Form der Inkontinenz der Frau. Die Dranginkontinenz ist durch plötzlich auftretenden, sehr starken und nicht beherrschbaren Harndrang mit anschließendem unwillkürlichen Harnabgang charakterisiert.

 

Diese Form der Inkontinenz resultiert aus einer Überaktivität oder aus einer zu großen Empfindlichkeit der Harnblase, bei welcher sich der Blasenmuskel zusammenzieht ohne dass dies willentlich beeinflusst werden kann.

 

Überlaufinkontinenz

Bei der Überlaufinkontinenz ist die Blase ständig voll, weil der Abfluss gestört ist und die Blase gar nie vollständig entleert werden kann. Da der Blaseninnendruck schliesslich stärker wird als der Blasenschliessmuskel, sickert der Urin tröpfchenweise aus der übervollen Blase.

 

Reflexinkontinenz

Wenn der Harninkontinenz eine neurologische Ursache zugrunde liegt, dann bezeichnet man sie als Reflexinkontinenz bzw. als neurogene Blasenentleerungsstörung. Die Ursache einer Reflexinkontinenz kann z.B. eine Querschnittslähmung oder Mulitple Sklerose sein.

 

Reizblase

Der Vollständigkeit halber muss auch die Reizblase erwähnt werden. Sie ist jedoch keine Inkontinenz im eigentlichen Sinne. Am ehesten könnte sie als Vorstufe der Dranginkontinenz bezeichnet werden.

 

Hier kann der Urinabgang noch kontrolliert werden. Sie tritt häufig während Harnwegsinfekten auf. Typisch sind starker Harndrang und sehr häufige Toilettengänge.

 

Behandlungen

Je nach Diagnose, welche sorgfältig gestellt werden muss, ist die Therapie der Inkontinenz eine Andere.


Allgemein: 

Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur, Gewichtsreduktion und die Gabe von Hormonen, sowie die Erhöhung der täglichen Trinkmenge können bereits zu einer wesentlichen Besserung führen.


Bei einer Dranginkontinenz auf Grund eines Harnwegsinfektes können Antibiotika und andere Medikamente helfen.


Andere konservative Behandlungen von Pessaren bis zur Elektrostimulation der Muskulatur sind weitere Therapiemöglichkeiten.


Bei der Stressinkontinenz kommen operative Verfahren wie z.B. das Einsetzen eines TVT-O Kontinenzbandes zum Zuge. Diese Operation kann unter regionaler Betäubung oder einer kurzen Vollnarkose (10 bis 30 Minuten) durchgeführt werden. Nach der Operation haben die meisten Frauen wenig bis gar keine Beschwerden. Die winzigen Narben sind nach einigen Wochen nicht mehr zu erkennen. Der Spitalaufenthalt dauert 2 bis 3 Tage, danach sollte man sich 4 Wochen schonen. Um den Heilungsprozess und das Einwachsen des Bandes nicht zu beeinträchtigen, sind starkes Heben und Geschlechtsverkehr in dieser Zeit nicht ratsam.


 

Praxis Dr. med. Andreas Guggisberg

Gynäkologie (Frauenmedizin, Frauenarzt)

sowie Akupunktur und Chinesische Medizin (TCM)

Thunstrasse 99

3006 Bern